12. Mai 2012
Ich mag Facebook nicht. Es macht mir Angst. Ich fühle mich dort nicht wohl.
Und das, obwohl ich Computer sehr mag, Ich bin ein digital native, gehöre zur ersten Generation der Computerkids. Andere gehen (ab und zu) ins Internet, ich bin im Internet.
Nein, nicht obwohl, sondern weil ich Computernerd bin, mag ich Facebook nicht. Facebook macht mich trotz aller Computererfahrung zum Computeridioten.
Jetzt kann ich auf einmal das Unbehagen anderer vor dem Computer verstehen, unter dem ich früher so gelitten hatte. Wie oft habe ich beobachtet, dass Kollegen oder Bekannte sich vor der Benutzung des Computers scheuten:
“Das ist alles viel zu kompliziert, ich müsste mich tief einarbeiten, ich kann nicht abschätzen, was das Gerät genau macht, und mache deshalb lieber gar nichts damit.”
Das ist nämlich genau meine Abscheu vor Facebook:
Das ist alles zu kompliziert, ich müsste mich tief einarbeiten, ich kann nicht abschätzen, was das System genau macht, und mach deshalb lieber gar nichts mit Facebook.
Zwei Publikationen der letzten Zeit erklären mein Unbehagen recht gut:
In der FAZ wurde anlässlich des Facebook-Börsengangs eine lesenswerte ‘Bedienungsanleitung‘ für Facebook geschrieben. An sich gut und gut gemeint, und die Ratschläge sind allesamt sinnvoll. Aber die Anleitung hat mir wieder vor Augen geführt: Wenn ich FB wirklich guten Gewissens nutzen möchte, muss ich selbst unglaublich viel einstellen, beachten, das System und mich beherrschen. Denn Facebook selbst macht einem das schwer, und mein Verdacht ist: absichtlich und unnötig schwer. Zuckerberg hätte am liebsten den gläsernen Nutzer, der alles für jeden veröffentlicht. Denn das sind die Voreinstellungen des Systems. Ich kann diese zwar gezieltv verändern und vorgeben, welche meiner Facebook-Freunde was sehen können, aber das ist kompliziert in Untermenüs versteckt.
Und noch schlimmer: Auf der Benutzerschnittstelle, meiner Facebookseite, die ich als User sehe, kann ich kaum nachvollziehen, wie meine Seite für die jeweilige Bekannten-Gruppe aussieht und was wer sehen kann.
Und noch schlimmer: Ich habe den Verdacht, dass Facebook die Bedingungen auch urplötzlich ändern kann. Dann bin ich nach einer kurzen Änderung der unübersichtlichen AGB auf einmal wieder gezwungen, alle meine mühsamen Einstellungen anzupassen: “Will ich wirklich die ‘Chronik/Timeline’ als Standard-Layout haben?” Nein, also muss ich sie wegschalten, weil Facebook sie eingerichtet hat..
In eine ähnliche Stoßrichtung geht auch die zweite Publikation: Sascha Lobo bringt auf dem Punkt, dass man keinem Content-Verwalter im Netz trauen kann außer sich selbst. Wer sein ganzes Leben auf Facebook postet und alle seine Fotos bei Flickr, wer in die Pflege dieser Auftritte viel Arbeit gesteckt hat, der riskiert, dass alles plötzlich und mit einem Federstrich weg ist. Der Provider wird aufgekauft oder ändert seine Strategie, und alle Arbeit ist dahin. Eventuell sogar unwiederbringlich, weil es kein Backup auf einer eigenen Festplatte gibt.
Nein, solange es geht, werde ich so wenig wie möglich auf Facebook machen und so viel wie möglich auf meinen Blogs. Zwar sind die auch bei einem Provider gehostet (WordPress), aber ich kann ein komplettes Backup herunterziehen. Und ich kann zwar nicht so viel einstellen wie bei FB, dafür aber (sogar für mich) nachvollziehbar: Hier im ‘Notizblog’ darf jeder meine unmaßgeblichen Gedanken zu unmaßgeblichen Themen lesen. Daneben gibt es einen ‘Familienblog’, auf den man nur mit Einladung kommt. Da weiß ich, wie er aussieht. Und ich sehe in einer schön sauberen Liste, wer ihn sehen darf.